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Juni 2012

Big Cat Guardians Project

Der Rückgang der Löwenpopulation ist ein schwerwiegendes Problem in Afrika. Laut IUCN (International Union for Conservation ) wurde in den letzten 20 Jahren ein Rückgang von bis zu 50% verzeichnet. Durch Viehherden und Landwirtschaft wird der Lebensraum der Löwen stetig verkleinert, wodurch es trotz verschiedenster Nationalparks an ausreichendem Platz für das Bestehen einer gesunden Population fehlt. Besonders während der Trockenzeit herrscht Nahrungsknappheit, so dass die Löwen gezwungen sind, ihre Nahrungssuche auf die Gebiete außerhalb der Nationalparks zu erweitern. Hier treffen sie auf die ansässigen Maasai, die als Lebensgrundlage Viehzucht betreiben. Tagsüber führen sie ihre Tiere zu verschiedenen Weideplätzen und sperren sie nachts in selbst gebauten Gehegen, den Bomas, ein. Während Geparden bei Tage das Vieh auf den Weideplätzen reissen, fallen die Löwen nachts in die Bomas ein, um anschliessend in einem Akt der Rache selbst gejagt und getötet zu werden. Die häufigste Art der Tötung besteht in der Vergiftung der Löwen durch ein Pflanzenpestizid aus der Landwirtschaft. Wenn ein Löwenrudel Beute reißt, kehren die Tiere nach dem ersten Fressen zu dem Aas zurück. Die Zwischenzeit nutzen die Menschen, um die Beute mit dem Pestizid, bekannt unter dem Namen Furodan, zu versehen. Sobald das Löwenrudel erneut von seiner Beute frisst, verenden alle an einer Vergiftung,

Die unkontrollierte Trophäenjagd und das illegale Töten der Löwen als Schadwild, tragen verheerend zur Verminderung der Löwenpopulation bei. Indem der männliche Löwe eines Rudels getötet wird, ist nicht nur sein eigenes Schicksal besiegelt, sondern auch das seiner gezeugten Jungtiere, die durch den neuen Rudelführer getötet werden – ein Teufelskreis! Kenia verliert jährlich 100 von landesweit 2,000 Löwen. Hält dieser Trend weiterhin an, so wird es in 10 Jahren keine Löwen in Kenia mehr geben. Die Lage in Tansania ist ähnlich prekär. Um diese Tendenz umzukehren, verfolgt das Shumata Educational Program effektive Massnahmen, um eine Koexistenz zwischen Menschen, Nutz – und Wildtieren in den ungeschützten Zonen jenseits der Nationalparks sicherzustellen.

Mit dem Big Cats Guardians Project will die Momella Foundation durch Bereitstellung logistischer und materieller Güter den Erhalt der Löwenpopulation in der Sinya Steppe langfristig gewährleisten. Wir kooperieren in diesem Projekt mit dem Lion Guardians Program in Kenia unter der Leitung von Dr. Leela Hazzah. Dieses beispielhafte Projekt hat es sich zur Aufgabe gesetzt, das Verhalten, den Lebensraum und die sozialen Strukturen der Löwen in Kenias Nationalparks zu erforschen. Allein die Jahresbilanz 2011 offenbart den Erfolg der Lion Guardians. Kein einziger Löwe wurde getötet, im Gegensatz zu Gebieten ohne Lion Guardians, wo 10 Löwen ihr Leben lassen mussten. 32 Jagdversuche wurden von den Lion Guardians erfolgreich vereitelt. Die Routen von 96 Löwen konnten per GPS und Telemetrieempfaenger aufgezeichnet und verfolgt werden. Zum ersten Mal seit Beginn des Lion Monitoring, waren alle beobachteten weiblichen Löwen in der Gemeinschaft ihrer Jungtiere. An diesen bereits erfolgreich praktizierten Einsatz von Lion Guardians wollen wir in Sinya in gleicher Weise anknüpfen, um durch die Ausbildung neuer Lion Guardians über die Ländergrenzen hinweg ein gemeinsames System aus Information und Überwachung zu schaffen. Wir unterstützen Dr. Leela Hazzah als Director der Lion Guardians, indem wir ausgehend von unserem Shu'mata Camp die komplette Infrastruktur zur erfolgreichen Umsetzung aller Schutzmassnahmen zur Verfügung stellen. Die Communities for Conservation Society Cologne (CCSC) in Köln haben uns für dieses Projekt ebenfalls ihre Unterstützung zugesichert.

Als Lion Guardians werden die natürlichen Feinde der Löwen, die Maasai-Krieger, ausgebildet. In dieser Funktion erhalten die Maasai, zusätzlich zum neuen Bewusstsein für Raubtier und Natur, einen weiteren Lebensunterhalt neben der Viehzucht. Die Aufgaben der Lion Guardians bestehen in der Bewachung der Löwen, der Hilfe für ihr Volk und in der Verhinderung der Löwenjagd durch andere Massai.

Bei der Überwachung werden die Löwen durch ihre GPS und VHF Halsbänder regelmäßig aufgespürt, wodurch sich die Streifgebiete und das Verhalten der einzelnen Gruppen aufzeichnen und auswerten lassen. Jeder Löwe wird von den Guardians mit einem individuellen Namen versehen und erhält dadurch eine Persönlichkeit, die den Massaidörfern ein neues Bewusstsein für die Tiere gibt. Ursprünglich hat die Löwenjagd in den Traditionen der Maasai eine besondere Bedeutung: früher musste jeder Mann einen Löwen töten, bevor er eine Frau heiraten durfte, zudem galt die Tötung eines Löwens als Mutprobe der jungen Krieger, die als Männer in der Gesellschaft aufgenommen werden sollten. Heute schützen die Krieger als Lion Guardians die Löwen und erhalten dadurch Anerkennung und hohes Ansehen in den Dörfern. Zu Lion Guardians werden vor allem ältere Massai ausgebildet, die meist selbst schon Löwen getötet haben. Durch ihren hohen Stand werden sie in ihren Dörfern respektiert und können somit andere Krieger von der Löwenjagd abhalten. Auch die Neuentwicklung von Bomas und das Wiederauffinden von verloren gegangenem Vieh, fördert unter den Menschen die Akzeptanz für die Organisation und somit für den Naturschutz. Außerdem zeigen die Lion Guardians den Viehzüchtern die Gebiete, welche sie mit ihren Herden, wegen der Löwen meiden sollten.

Der Erfolg des Lion Guardian Programs entsteht aus der Kombination uralten Wissens der Maasai über die Tiere und die Natur sowie der Verwendung modernster Technik zur Überwachung der einzelnen Löwen. Durch die Bereitstellung des Shu'mata Camp als Basisstützpunkt, sowie logistische und materielle Beihilfe durch die Momella Foundation, wird es gelingen, den Aktionsradius der Lion Guardians zum Erhalt der Löwenpopulation im Amboseli Ökosystem weiter auszudehnen.

Im Rahmen einer Löwen Tracking Tour können unsere Gäste im Shumata Camp einen Lion Guardian bei seiner täglichen Arbeit begleiten, die Spuren der Tiere lesen und ihre Bewegungen via onlinemap verfolgen. Bei einem gemeinsamen Lunch oder Dinner wird die leitende Biologin des Projekts einen Einblick in die Ziele und Anforderungen des Projektes geben und alle Fragen ausführlich beantworten.

Für diese Aktivität fallen zusätzliche Kosten an. Dieses Geld kommt direkt dem Big Cat Guardians Project zugute.